"Keiner, der ruhig sitzen kann"

Der neue Kartellvorsitzende des MKV, Helmut Schmitt v. Siegfried, ADW, im Interview mit dem CLUnier

Aus dem Archiv
(16.8.2003)

Helmut Schmitt v. Siegfried, ADW, ist seit 1. Juli Kartellvorsitzender. der CLUnier sprach mit dem neuen Mann an der Spitze des MKV.

CLUnier: Bitte beschreibe kurz dein bisheriges couleurstudentisches Leben.
Siegfried:
 Mein Vater war Gründungsfuchs bei der Austro-Danubia Wien, da war es nur selbstverständlich, dass ich 1964 ebenfalls dort rezipiert wurde. Bis auf den Kassier habe ich alle Chargen gemacht, Anfang der 70er-Jahre haben wir der Vindobona I in einer schwierigen Zeit geholfen, weshalb ich dann auch ihr Band bekommen habe. Später war ich auch an der Gründung der Sonnberg Perchtoldsdorf beteiligt. Ich war Philisterconsenior im Wiener Stadtverband, und schließlich hat mich der Kartellvorsitzende Hans-Walther Kaluza v. Caesar als Kartellorganistionsreferent berufen. Dieses Amt hatte ich dann nochmals unter Helmut Puchebner v. Herkules inne. Als es zur Gründung des EKV kam, war ich ebenfalls Organisationsreferent, es gab damals die �Arbeitsgemeinschaft österreichischer Studententag�, heute als EKV Austria bekannt. Meine erste große Aufgabe als Organisationsreferent war es, die �40 Jahre MKV�-Feier gut über die Bühne zu bringen.
Aus beruflichen und privaten Gründen habe ich mich dann nach und nach aus dem aktiven Couleurleben zurückgezogen. Ich habe zunächst im Bautenministerium gearbeitet und habe dann in die Privatwirtschaft gewechselt. Seit 1975 habe ich auch eine Familie.

CLUnier: Du hast auch schon früher im MKV-Marketing mitgemischt.
Siegfried:
 Das wissen vielleicht nur wenige: Kurz vor meinem Amtsantritt wollte der MKV ein neues Logo und hat einen Wettbewerb ausgeschrieben. Ich war einer von rund 40 Teilnehmern und habe das orange MKV-Sechseck entworfen. Damit habe ich dann auch gewonnen. Der Preis wurde mir am Pennälertag in Wels übergeben - zusammen mit dem Amt des Organisationsreferenten.

CLUnier: Was bewegt jemanden, Kartellvorsitzender zu werden anstatt den wohlverdienten Ruhestand zu genießen?
Siegfried:
 Ich bin grundsätzlich jemand, der sich gerne engagiert. Nachdem ich nach Breitenfurt gezogen bin und der Weg zur Verbindung etwas weit war, war ich im Gemeinderat tätig. Ich habe außerdem die Gemeindeparteizeitung herausgebracht, die zwei oder drei mal als bestes niederösterreichisches Lokalblatt ausgezeichnet worden ist. Mit großem Erfolg war ich auch als Wahlkampfleiter aktiv. In der Pfarre war ich stellvertretender Obmann des Pfarrgemeinderats. Ich habe auch noch andere Projekte laufen, zum Beispiel schreibe ich im Moment an zwei gemeinde- bzw. kunstgeschichtlichen Büchern. Ich möchte einfach etwas tun, was mich ausfüllt. Deshalb und weil ich MKVer mit Herz und Seele bin, habe ich letztlich auch für den Kartellvorsitz kandidiert. Natürlich spielt auch der Reiz der Herausforderung eine Rolle. Ich bin halt keiner, der ruhig sitzen kann und sich nur der Rasenpflege widmet.

CLUnier: Bitte charakterisiere dich mit drei Eigenschaften.
Siegfried:
 Ich bin auf jeden Fall ein Perfektionist. Ich bin auch einer, der den Ausgleich sucht, also durchaus harmoniebedürftig ist. Drittens bin ich aber auch einer, der manchmal polarisiert. Allerdings tut es mir weh, wenn das passiert, deshalb versuche ich immer auch auszugleichen.

CLUnier: Welche thematischen Schwerpunkte willst du in deiner Arbeit setzen? Oder anders gefragt: Wo steht der MKV heute, wo soll er in drei Jahren stehen?
Siegfried:
 Ich habe auf unserer ersten Verbandsführungssitzung Vorstellungen für ein Arbeitsprogramm präsentiert und allen Mitarbeitern und Landesvorsitzenden zur Verfügung gestellt. Bevor ich Genaueres dazu sage, möchte ich es auf einer Klausur Ende Augut, Anfang September vertiefen und im Herbst offiziell dem Kartellrat vorlegen. Ich bitte um Verständnis, dass wir das vorerst intern beraten wollen und erst nach Fertigstellung an die öffentlichkeit gehen.

CLUnier: Wie kann die Wahrnehmung des MKV in der öffentlichkeit verbessert werden?
Siegfried:
 Unsere öffentlichkeitsarbeit muss sicher eine andere Qualität bekommen. Sie ist derzeit auf mehrere Referenten aufgeteilt. Wir haben zum Beispiel einen gesellschaftspolitischen Referenten, einen für Kommunikation, einen für das Internet und den couleur-Chefredakteur. Zum einen werden wir diese Struktur wo nötig verändern. Zum anderen müssen wir im Verband zu einer �anderen Loyalität� finden. Wenn heute ein Thema aktuell ist, muss es gewöhnlich von der Basis bis zur Spitze durchdiskutiert werden. Bis wir eine Resolution auf der Kartellversammlung haben, ist das Schnee von gestern und interessiert kein Medium mehr. Der Kartellvorsitzende muss so viel Loyalität genießen, dass er sich zu aktuellen Themen schnell äußern kann. In heiklen Fragen wird er mit den Landesvorsitzenden Rücksprache halten müssen, aber die Kommunikation nach außen darf nicht durch schwerfällige interne Strukturen behindert oder verhindert werden. Es ist ja nicht so, dass ihr einen Vorsitzenden gewählt habt, bei dem man Angst haben muss, dass er Meinungen vertritt, die der Verband nicht vertritt! Natürlich wird es nicht möglich sein, alle Meinungen im MKV immer auf einen Nenner zu bringen, aber der Kartellvorsitzende muss als Sprecher des Verbandes akzeptiert werden, und der Verband muss dann auch dahinter stehen. Sonst werden wir in der öffentlichkeit überhaupt nicht mehr präsent sein.

CLUnier: Was sagst du zu den Diskussionen ums couleur? In den letzten Monaten war ja sogar von Abschaffung die Rede.
Siegfried:
 Ich stehe voll und ganz zum couleur. Solange ich Kartellvorsitzender bin, werde ich alles unternehmen, dass unsere Verbandszeitschrift eine gesunde wirtschaftliche Basis hat.

CLUnier: Der CLUnier hat im letzten Jahr eine Umfrage gemacht, wie die MKVer ihren Verband und seine Zukunft sehen. Dabei wurde unter anderem eine öffnung des MKV für Frauen und nicht-katholische Christen und auch eine Neudefinition des patria-Begriffs im Hinblick auf Europa gefordert. Andere meinen, der MKV komme seiner Aufgabe als gesellschaftpolitischer Akteur viel zu wenig nach und beschäftige sich zu sehr mit sich selbst und der Brauchtumspflege. Was ist deine Antwort darauf?
Siegfried:
 Natürlich ist der Verband auch in seinen Traditionen verwurzelt, ich hänge dieser Tradition auch an. Wir dürfen uns der modernen Zeit aber nicht verschließen. Wir müssen diese beiden Ziele so unter einen Hut bringen, dass es der MKV aushält. Dazu gehört die geplante MKV-Strukturreform mit einer schlankeren Organisation und einer höheren Reagibilität für alle unsere Ansprechpartner.

CLUnier: Welchen zeitlichen Horizont hast du dafür vor Augen?
Siegfried:
 Das kann ich so nicht beantworten. Ich muss mir erst ansehen, was in der Vergangenheit bereits zu diesem Thema diskutiert wurde, und ich möchte das auch erst auf dem Kartellrat besprechen. Hier wird auch viel verbandsinterne Diskussion notwendig sein. Mein Wunsch ist, dass wir innerhalb meiner Amtsperiode zu brauchbaren Ergebnissen kommen.

CLUnier: Wie sieht deine Vision für den MKV aus?
Siegfried: Ich möchte die Verbindungen und die Landesverbände wachrütteln, damit aus dem MKV wieder etwas entsteht. Ich kann das aber nicht isoliert als Verbandsführung, ich kann nicht alleine Gesellschaftspolitik machen, das muss aus den Verbindungen kommen! Ich möchte zum Beispiel gerne erreichen, dass wir auf der Kartellführungsschule in Zukunft doppelt so viele Teilnehmer haben wie jetzt. Ich würde mir wünschen, dass man nicht zur KFS fährt, weil man gerade keinen anderen Termin im Sommer hat, sondern dass es wieder als etwas Besonderes wahrgenommen wird, an der KFS teilzunehmen und dass die Begeisterung wieder kommt.

CLUnier: In einem Beitrag unserer Umfrage wurde ein �Think Tank� der besten Köpfe für den MKV vorgeschlagen. Was hältst du von dieser Idee?
Siegfried:
 Ich möchte mich vor allem bemühen, junge Leute in die Verbandsführung zu bekommen. Ich glaube, dass die Jugend begeisterungsfähig ist und der MKV für sie eine gute Chance bietet. Diese Chance will ich ihr in der Verbandsführung geben.

CLUnier: Welche Botschaft hast du an die Jugend?
Siegfried:
 Ich möchte unsere Aktiven aufrütteln, denn sie sind der Mittelpunkt des Verbandes. Aufgabe der Altherrenschaft ist es nur zu begleiten, nicht zu sagen, wo es lang geht. Geben wir den Jungen die Verantwortung und die Bedeutung, die ihnen zusteht. Der MKV ist euer Verband!

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